„The Bitcoin Standard“ – Bitcoin als Geldersatz?

Bitcoin ist eine Währung. Diese plumpe Wahrheit scheint nicht weiter interessant zu sein, aber sie hat volkswirtschaftliche und sogar philosophische Bedeutung. Die Organisation des Handels und Unternehmertums ist abhängig vom Geldfluss und damit auch dessen „Natur“.

Was ist die Natur des Geldes? Im Artikel „Anarchismus oder Liberalismus – Wo kommt der Bitcoin her?“ streife ich diese Frage bei dem Versuch der Frage auf den Grund zu gehen wo Bitcoin herkommt. Möglicherweise ist das die Verblendung des Technikers, denn ich habe mich zu Anfang mehr für die technischen Hintergründe und die damit zusammenhängende Hacker- und Cypherpunk-Kultur interessiert, als die ökonomischen Zusammenhänge.

Anders der promovierte Ökonom Dr. Saifedean Ammous. Der Mann nähert sich dem Themenkomplex von der wirtschaftlichen Richtung und beschäftigt sich hauptsächlich mit den volkswirtschaftlichen Parametern eine Währung und im Falle von Bitcoin mit dessen Nutzen und Bedeutung für die Geldwirtschaft.

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The Bitcoin Standard(PL)

Ammous lehrt als Dozent auf der Adnan Kassar Libanesich-Amerikanischen Universität und beschäftigt sich seit ein paar Jahren mit digitalen Währungen. Dass Ammous nicht erst seit dem Boom 2017 mit dem Thema zu tun hat (so wie zB. Ich …) lässt sich leicht auf Google-Scholar nachprüfen.

Geld – was macht Geld zu Geld?

Die zentrale Frage, die sich Ammous in seinem Buch „The Bitoin Standard(PL)“ sage und schreibe sieben Kapitel lang widmet, ist die Frage was Geld zu Geld macht. Ammous bringt viele Beispiele und macht historische Exkurse um seine Theorie zu untermauern. Die Essenz kocht auf zwei Punkte zusammen:

  1. Es darf sich nicht bzw. nicht leicht vermehren lassen.
  2. Es muss leicht gegen Gegenstände eingetauscht werden können.

Ammous unterscheidet außerdem zwischen Hartgeld (hard money) und Leichtgeld (easy money). Hartgeld, wie Gold oder Bitcoin, kennt keine Inflation. Die Menge der verfügbaren Einheiten kann nicht kostengünstig erhöht werden.

Dem gegenüber stehen Fiat-Währungen, deren Menge frei von den herausgebenden Stellen erhöht werden kann. Dieser Eigenschaft gegenüber spuckt Ammous Gift und Galle. Damit reiht er sich in die ruhmreiche Geschichte der Ökonomen der „Österreichischen Schule“ ein, die dieser stillen Enteignung ebenfalls feindlich gegenüber standen, ein.

Ich kann mich Ammous Argumentation nur anschließen: Wenn ich dem Staat erlaube ständig naue Schulden aufzunehmen und dessen Wert bzw. Last nicht mit Tilgung sondern mit Abwertung der Währung zu verringern, wird er dies tun. Damit schrumpft das Vermögen derjenige die ihr Geld nicht in Investmentionen gesteckt haben. Das dies auch zur Blasenbildung beiträgt in dem ein Anreiz geschaffen wird, Geld auch in absurde Investemts zu stecken, sei auch kurz erwähnt.

The Bitcoin Standard – Das Buch

Ammous Stil ist leicht zu lesen. Allerdings hätte der Lektor ein paar Passagen ruhig streichen können.

Das Buch beginnt mit einem fulminanten Start und legt die Inhalte spannend und mit historischen Beispielen glaubhaft dar. In der Mitte des Buches verliert es aber massiv an Fahrt und verliert sich sogar einmal an einer seitenlangen Kritik an Beamten die Geld für Kunst bereitstellen die sonst nie jemand gekauft hätte.

Elementary, my dear Watson …

Etwas dem sich sogar Theodor W. Adorno in seiner Vorlesung „Kultur und Verwaltung“ anschließt. Und bei all den posthumen Preisungen die sich der marxistische Rhetorikblasebalg zu seinem 50. Todestages ausgesetzt sieht, steht er doch nie im Verdacht Hayek oder generell dem Kapitalismus nahe zu stehen.

Aber nach dem diese Längen überwunden sind und der Bitcoin Einzug in die Diskussion im Buch findet, wird auch der Inhalt wieder spannend. So schafft Ammous noch einen gut lesbaren Schluss und lässt einen halbwegs zufrieden zurück.

Trotz der schwachen Mitte des Buches, kann ich es dennoch uneingeschränkt empfehlen. Vor allem da Ammous nach all der Arbeit die er sich mit dem Definieren von Hartgeld und dem Preisen von Bitcoin macht, zu dem Schluss kommt, dass Bitcoin nicht als Geld für den Alltag verwendet werden wird. Dass diese Vermutung nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Bantotal Projekt mit Bitex.

Er sieht Bitcoins Zukunft als Standard für Geld und Mechanismus um Transaktionen zwischen Banken abzuwickeln. Hartgeld schafft Vertrauen und Bitcoin als Mechanismus ist zuverlässig.

In diesem Sinne, kauft das Buch(PL)!

Prinzipiell neugierig und mit starkem Hintergrund in Informatik, bin ich Software-Entwickler bei Tag und Krypto-Enthusiast bei Nacht.

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