Podcast-Review: Was bedeutet die Blockchain für den Handel? (Kassenzone K#148)

Der Kassenzone-Podcast lädt Gäste aus der deutschen eCommerce-Szene ein. Der Gastgeber, Alexander Graf, ist selbst an einem eCommerce-Unternehmen beteiligt und stellt als Insider interessante Fragen zu dem Themengebiet. In Folge 148 hat er Michael Weber zu Gast. Weber ist gelernter Investment-Banker und arbeitete für verschiedene Banken. Aktuell versucht er unter anderem mit Blockchain-Technologie Geschäftsfelder hochzuziehen.

Kurz gesagt: Zwei Praktiker unterhalten sich darüber wie Blockchains produktiv eingesetzt werden können. Das Spannende dabei ist, dass Graf skeptisch gegenüber Blockchains ist, während Weber das ganze enthusiastischer sieht. Meiner Meinung nach, allerdings nicht verblendet. Insgesamt eine tolle Folge!

Daher habe ich mir die Mühe gemacht und die 45 Minuten auf die Kernpunkte runterzubrechen. Perfekt für jeden der vorher wissen möchte, um was es geht.

Was ist eine Blockchain?

Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Weber und Graf handeln das ganze mit einer Handvoll Sätzen ab. Natürlich ist das nicht so detailliert aufbereitet wie die Antwort die ich in meinem Artikel Was ist eine Blockchain? gegeben habe.

Doch die knackig prägnante Definition von Stelle 2:12 definiert es als offen einsehbares Transaktionsbuch. Dieses Transaktionsbuch wird auf alle im Netzwerk kopiert. In diesem Transaktionsbuch werden auch virtuelle Handschläge als Beweisbild aufgezeichnet, um im Nachhinein eindeutig beweisen zu können wer wem etwas gesendet hat. (Verifikation)

Ist Bitcoin nur ein Pyramidensystem?

Graf meint an Stelle 16:37, dass Bitcoin ein Pyramidensystem bzw. Ponzi-Scheme ist. Es lebt von Spekulanten die Assets kaufen und halten oder sie zum Traden verwenden. Das heißt es gibt keinen echten Nutzen und lebt davon, dass neue Käufer Geld ins System pumpen, welches dann von denjenigen abgeschöpft werden kann, die Bitcoins schon länger gehalten haben. Da die Menge an Bitcoin begrenzt ist, gibt es einen Moment an dem das System kippen muss. Ohne neue Bitcoins, meint Graf, würde das System seinen letzten Nutzen verlieren und kollabieren.

Weber erwidert darauf zwei Dinge:

  1. Bitcoin und Blockchains generell sind in eine Phase der Zentralisierung und Kommerzialisierung – ähnlich wie das Internet Anfang der 2000er.
  2. Die aktuellen Daten deuten auf eine Spekulationsblase hin.

Es wird also zu einem Burst kommen und es werden wahrscheinlich auch einige Unternehmen bluten müssen. Defakto wird auch viel Schindluder mit dem aktuellen Hype getrieben. So ist mir schon mehrmals Werbung für „Dentacoins“ auf FB begegnet. Ich könnte also in eine Kryptowährung für Zahnärzte investieren. Solche Ideen müssen scheitern. Doch diese Auf- und Abwärtsbewegung ändern nichts am generellen Aufwärtstrend.

Bitcoin bietet die technische Antwort darauf, wie man relativ schnell Geld von einem Land in ein anderes verschieben kann, ohne dass dies in einem tagelangen Prozess im Bankensystem aufgehalten wird. Durch den technologischen Nutzen, den Bitcoin bringt, ist es unwahrscheinlich, dass es kollabiert sobald die Obergrenze erreicht ist.

Die Deflation, die den Wert einer Bitcoin immer mehr in die Höhe treibt, ist auch nur theoretisch ein Problem. Eine Bitcoin kann auf 100.000.000 Satoshi zerlegt werden. Sollte der Kurs für eine Bitcoin zB. auf 100.000€ steigen, könnte die Bitcoin auf 0,001 Eurocent Bestandteile zerlegt werden. Daraus folgt, dass Bitcoin selbst bei so einem enorm hohen Kurs noch als Zahlungsmittel funktionert.

Kryptographie gebrochen, Blockchains gebrochen?

Aktuelle Kryptographie basiert auf Primfaktorenzerlegung sehr großer Zahlen. Da das bei sehr großen Zahlen viel Ausprobieren bedeutet, ist es sehr schwer bzw. sehr zeitaufwendig Verschlüsselungen wie in Bitcoin zu brechen. Das würde insgesamt viele hundert Jahre dauern. Qantencomputer können dank spezieller Algorithmen das gleiche Problem in Bruchteilen der Zeit lösen. Das bedeutet, sie könnten Verschlüsselung wie wir sie heute kennen völlig unbrauchbar machen.

Das Problem spricht Graf an Stelle 19:55 an. Weber hält dagegen, das ähnlich wie bei der Segwit-Umstellung, das Protokoll so angepasst werden könnte, das das ganze Prinzip gleich bleibt, nur die Verschlüsselung selbst ausgetauscht wird. Als die analogen SAT-Programme abgeschalten wurde, hat auch kaum jemand sein Heimkino weggeworfen. Statt dessen wurde einfach nur der Receiver ausgetauscht.

Das Grundprinzip der verteilten Konsensfindung und Datenspeicherung bleibt davon unberührt.

Krypto-Währung schön und gut, aber sonst unbrauchbar?

Weber meint, dass für Banken hauptsächlich der Clearing-Prozess vereinfacht wird. Wikipedia definiert Clearing als:

Unter Clearing wird das Feststellen gegenseitiger Forderungen, Verbindlichkeiten und Lieferverpflichtungen verstanden. Der Clearingprozess beinhaltet die Übermittlung, Abstimmung und in einigen Fällen die Bestätigung von Abschlüssen sowie sonstigen für die Abwicklung bzw. für das Settlement notwendigen Angaben (z. B. Zahlungsweg, Ort und Zeit der Lieferung).

Dieser Prozess kann bei internationalen Transaktionen mehrere Tage im Bankensystem dauern. Dieser Prozess kann mit Blockchain-Technologie beschleunigt werden.

Ab Stelle 23:45 geht Weber auf einen anderen Anwendungsfall ein: Rückverfolgbarkeit von Produkten bis hin zur Firma die, die Resourcen abbaut. Alle Firmen die im Prozess beteiligt sind, würden alle Arbeits- und Lieferschritte in eine Blockchain als Transaktionen abbilden. Durch die offene Natur der Blockchain bekommt man als Kunde zwei Dinge geschenkt:

  1. Völlig Transparenz
  2. Daten sind verifiziert und vor nachträglicher Änderung sicher
  3. Behauptungen wie ein Bio-Siegel, sind nachprüfbar. (Auch automatisiert, zB. per App am Handy)

Zusammengefasst

Weber hat gut argumentiert und meiner Meinung nach ein überzeugendes Plädoyer für Blockchain-Technologie gehalten. Banken aber auch Amazon und dessen russisches Pendant bauen an Blockchain basierten Produkten.

Die Zukunft bleibt spannend!

Prinzipiell neugierig und mit starkem Hintergrund in Informatik, bin ich Software-Entwickler bei Tag und Krypto-Enthusiast bei Nacht.

Über Martin Keiblinger 56 Artikel
Prinzipiell neugierig und mit starkem Hintergrund in Informatik, bin ich Software-Entwickler bei Tag und Krypto-Enthusiast bei Nacht.

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