Hedera – Hashgraph, ein Krypto-Disruptor ohne ICO?

Hashgraph – Innovative Technologie

Im Post Hashgraph – Tratsch über Trasch habe ich die Technologie hinter Hashgraph beleuchtet und versucht verständlich zu erläutern. Der spannende Punkt damals war, dass der sg. „Blockchain-Killer“ nur ein Stück Technologie ist und keine Kryptowährung. Zusätzlich konnte ich mir damals nicht vorstellen, dass die Limitierungen der Zentralisierung (Register für Knoten im Netzwerk) so gelöst werden, dass daraus eine echte, öffentliche Ledger-Lösung ala Bitcoin gebaut werden kann.

1 Monat später, 18 Millionen USD schwerer und unter neuem Namen, baut das Unternehmen Hashgraph Consortium LLC einen Public Ledger. Im folgenden Artikel beleuchte ich die verschiedenen Aspekte, aufbauend auf dem technologischen Überblick den ich bereits im Februar geliefert habe.

Hedera = Hashgraph + Währung + File Storage + Smart Contracts

Screenshot aus dem Whitepaper: Wie Hedera ihr Projekt präsentieren. Hashgraph als Basis für eine Währung, einen File-Storage und eine Smart Contract Plattform.

Das Whitepaper kommt 76 Seiten schwer daher und enthält viel Marketing-Sprech. Die Seitenzahl erklärt sich unter anderem auch dadurch, dass das ursprüngliche, technische Whitepaper von Hashgraph im Appendinx angeheftet ist. Die prickelnden Kernpunkte lassen sich rasch zusammenfassen:

  • Im Gegensatz zu Bitcoin, ist Hedera ein Netzwerk unter der Kontrolle des Hedera Hashgraph Councils.
  • Die Software steht unter einer sg. „Open Review“ Lizenz. Programme die auf Hedera aufbauen – sei es als Client für das Netzwerk oder Smart Contract – stehen unter keinen besonderen Lizenzbedingungen. Kein Copyleft.
  • Es ist ein öffentliches einsehbares Transaktionsbuch ala Bitcoin (Public Ledger) mit einer Kryptowährung. Transaktionen können gegen eine Gebühr versendet werden. Lt. Whitepaper ist das Ziel diese möglichst günstig zu halten und für Mikrotransaktionen interessant zu machen.
  • Es unterstützt Smart Contracts auf Basis von Solidity. Solidity ist eine Programmiersprache die ursprünglich für Ethereums Smart Contracts gedacht war.
  • Es unterstützt File Storage der auch dazu gebraucht werden kann Daten wieder zu löschen.
  • Es ist ein Proof of Stake Netzwerk – im Gegensatz zu reinen Hashgraph Anwendungen!

Insgesamt handelt es sich um einen attraktiven Mix.

Cypherpunk-Puristen wird die zentrale Kontrolle durch ein Unternehmen, die patentierten Hashgraph-Algorithmen (machen Forks ala BCash unmöglich) und die generelle Begrenzung der Mitglieder im Council stören. Mich stört vor allem, dass ich nicht dazu in der Lage war, heraus zu finden wer in diesem Council aktuell sitzt.

Ingenieure werden sich den Kopf kratzen warum sie zu Beginn ausschließlich auf Solidity als Programmiersprache setzen. Solidity liefert eine große Code-Basis und ermöglicht es Dapp-Entwicklern ihre Ethereum-Contracts ohne großen Aufwand auf Hedera zu portieren. Man sollte allerdings all die damit zusammen hängenden Probleme nicht vergessen.

Bei Ethereum arbeitet ein Computerwissenschaftler namens Yoichi Hirai vor allem daran, die Fehleranfälligkeit von Solidity mit Werkzeugen (mittels formale Verifikation) zu minimieren. Fakt ist, dass die Fehleranfälligkeit immer wieder zu Hacks führt wie den DAO Hack oder den Parity Multisig Hack. Ausschließlich auf diese Programmiersprache zu setzen leuchtet zumindestens mir nicht ein. Plattformen wie NEO haben Support für Programmiersprache die einige Probleme von Haus aus vermeiden. (keine dynamische Typisierung)

Ideologiefreie Beobachter der Kryptoszene werden feuchte Augen bekommen. PoS Token, um mit bloßem Besitz Erträge zu bekommen (Proxy Staking), Smart Contracts, File Storage und keine dumme Herumgeforkerei wie man sie von Bitcoin kennt. Wie gesagt: ein attraktiver Mix.

Hedera – nicht nur Blockchain- sondern auch Tangle-Killer?

Hashgraph wird und wurde vor allem als Blockchain-Killer beworben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Hashgraph macht Transaktionen sehr günstig und sehr schnell. Bitcoin ist sowohl deutlich langsamer und deutlich teurer. IOTA wird und wurde immer wieder hoch gejubelt. Die von mir so verhasste Formulierung „unendlich skalierbar“ fällt auch ständig. Puncto Geschwindigkeit hat IOTA Hashgraph allerdings wenig entgegen zu setzen.

IOTA, je nach Quelle, liefert 100 Transaktionen pro Sekunde. Das ist sehr schnell im Vergleich zu Bitcoin. Wenn man sich die Anzahl der Transaktionen in einem Bitcoin-Block ansieht, dann kommt man da in den letzten Monaten maximal auf ca. 2.800 Transaktionen. Ein Block wird alle 10 Minuten gemined. Das ergibt aufgerundet 5 Transaktionen pro Sekunde.

Nach Eigenauskunft von Swirld, der Firma hinter Hashgraph, ist die technische Basis in der Lage bis zu 250.000 Transaktionen pro Sekunde zu bewältigen. Selbst wenn sie da um den Faktor 100 übertrieben hätten, wären sie noch deutlich schneller als Bitcoin und schneller als IOTA.

Hedera, IOTA, Bitcoin im Vergleich

Zusammengefasst ist Hedera die eierlegende Wollmilchsau der Public Ledger Technologie. Während Blockchains die Skalierungsprobleme mit Multi-Blockchains ala Polkadot, Pantos oder Neo versuchen in den Griff zu bekommen oder mit Off-Chain-Lösungen wie das Lightning Network, hat Hedera die Probleme einfach nicht.

Hedera – ähnlich wie IOTA durch den Coordinator im Moment – ist teilweise zentralisiert. Das führt dazu, dass sie einige Probleme gekonnt umschiffen. Sei es politisch in dem sie die Macht über die Technologie zentral an ein Unternehmen gebunden haben sowie technisch in dem sie einen völlig anderen Ansatz für Konsensfindung gewählt haben.

Ob sie die Zentralisierungsfrage die ich mir nach der Lektüre des Hashgraph-Whitepapers gestellt habe aufgelöst haben, ist damit auch beantwortet. Es ist öffentlich einsehbar aber zentral kontrolliert. Wie sie die Node-Verwaltung realisiert haben um die für den Hashgraph nötigen Kennzahlen zu ermitteln – dezentral oder über zentrales Register? – habe ich nicht herausgefunden. Beides ist möglich.

Bitcoin brilliert im Vergleich nur in den ideologischen Punkten: Dezentrale Technologie mit offene Standards und öffentlichem Entwicklungsprozess – der jedem offen steht der sich in das Haifischbecken Open Source Entwicklung werfen möchte (Umgangsformen sind eher rau).

Zusammenfassung

Ein sehr spannendes Produkt. Alexander Graf hat in einem Kassenzonen-Interview genau solche zentralisierten Entwicklungen angekündigt. Es bleibt fraglich ob solche Entwicklungen Bitcoin tatsächlich den Todesstoß verpassen können. Jedoch könnte ein Disruptor wie Hedera Bitcoin in ein Nischendasein drängen.

Prinzipiell neugierig und mit starkem Hintergrund in Informatik, bin ich Software-Entwickler bei Tag und Krypto-Enthusiast bei Nacht.

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Prinzipiell neugierig und mit starkem Hintergrund in Informatik, bin ich Software-Entwickler bei Tag und Krypto-Enthusiast bei Nacht.

3 Kommentare

  1. Die Hashgraph Technologie basiert auf der asynchronen Byzantinischen Fehlertoleranz, nach der es unmöglich ist, zu betrügen, wenn nicht mindestens 1/3 der Teilnehmer Betrüger sind. Daher hat Hedera Hashgraph einen Rat aus 39 Weltklasse-Unternehmen, die 1/3 aller Coins besitzen, womit es, nachdem die Coins auf Millionen von Knoten verteilt ist, dass sich jemals ein Drittel betrügerischer Knoten verbinden können, um so die Konsensfindung zu vereiteln oder zu fälschen. Welches diese Organisationen sind, wird in Kürze bekannt gegeben.
    Weitere Anteile der Token werden verkauft, aber der überwiegende Anteil steht den Teilnehmern des Hedera Netzwerks zur Verfügung, die sie sich mit ganz normalen PCs und Smartphones verdienen können, in dem sie Transaktionen weitergeben, Speicherplatz, Rechenpower, Zugriff auf ihre Sensoren und sonstige Daten zur Verfügung stellen, wobei hier jeder mitmachen kann. Zukünftig werden User also für das Nutzen einer App (oder besser DApp) bezahlt.
    Open Source hat in der Vergangenheit zu einer ständigen Verbesserung einer Anwendung geführt, bei den Kryptowährungen hat es zu einer Zersplitterung und Chaos geführt, bei der eine Verbesserung des Codes zu einem Hardfork und der Entstehung einer Konkurrenz zum ursprünglichen Konzept geführt hat. Das mag gut für Spekulanten sein, bringt aber Chaos und Unsicherheit in den Markt und verhindert die breite Nutzung der Distributed Ledger Technologie.
    Rein mathematisch ist das Konzept der Kombination des Gossip-about-Gossip Protokolls und des Virtuellen Votings weder von der Performance noch von der Sicherheit zu toppen, kurz gesagt, es kann nichts Besseres geben.
    Damit werden letztendlich alle Coins, deren einziges Ziel ist, die Transaktionsgeschwindkeit zu erhöhen, obsolet. Ebenso alle Coins, die die Privatssphäre schützen wollen, denn der Hashgraph muss keine historischen Transaktionen speichern, er bildet nur den aktuellen Kontostand ab. Alle Utility-Coins werden auf Hedera umsteigen, denn hier zählt auch die Performance und ICOs für Utility-Coins werden ebenfalls zukünftig auf Hedera stattfinden.
    Um alle bisherigen Konzepte und bereits entwickelten DLTs mit in’s Boot zu holen, wurde die Distributed Ledger Foundation gegründet und die IOTA Foundation, die Ethereum Foundation, die Cardano Foundation, die Litecoin Foundation usw. sind eingeladen, Teil dieser Foundation zu werden. Statt wie bisher in Konkurrenz um Investoren, Partner und Kunden zu werben, können alle gemeinsam auf der bestmöglichen Technologie das Internet so gestalten, wie es ursprünglich geplant war, dezentral, frei und mit der Kontrolle über die eigene Privatssphäre.

    Vielen Dank für die Information, bisher habe ich kaum etwas Besseres im deutschsprachigen Raum gefunden.

    Rainer, Hedera Hashgraph Ambassador

  2. Sehr gute Zusammenfassung – ich kann mich Rainer nur anschliessen. 2018 und 2019 wird es möglicherweise zu einem Umschwung und einem starken Wachstum von Hedera Hashgraph kommen. Aber auch einem Wachstum in den Permissioned DLTs, die auf HG setzen. Insbesondere wg. des Alleinstellungsmerkmals „Fairness“ im Sinne der garantierten und nicht korrumpierbaren Reihenfolge der Tx. Nicht umsonst setzen Bankenkonsortien wie die CUNA mit CULedger nicht auf Enterprise Ethereum, Hyperledger, Corda, Ripple und Co. Und Börsen immer noch auf OpenVMS – so wie ich es verstanden habe, soll HG dort sogar mit der nãchsten Version Eingang ins OS finden. Mal sehen….

  3. Aus meiner Sicht wird Hashgraph nicht eine Konkurrenz zu IOTA und Bitcoin sein. Warum? Hashgraph wird von einer Firma geführt. Bitcoin entstand, weil man den Firmen im Bankenbereich nicht mehr vertraut hat. Von daher wird aus meiner Sicht Hashgraph neben Bitcoin und Co. in Zukunft existieren.

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  1. Hashgraph – Tratsch über Tratsch – Blockchain Investment

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