Marktkapitalisierung einer Kryptowährung – Was ist das?

Vor kurzem bin ich in einer FB-Gruppe auf eine Diskussion gestoßen, deren Inhalt mich vor allem verwirrt hat. Es ging darum, ob es besser sei ob der Token einer neuen Kryptowährung mehr oder weniger Euro wert sein soll.

Mein erster Impuls war die Feststellung: Das ist egal. Die Marktkapitalisierung bzw. auf Englisch Market Capitalization (kurz auch Market-Cap) bleibt ja gleich. Da ging dann die Diskussion los, dass es besser sei wenn ein Token mehr wert sei, da das insgesamt den Wert der Währung steigere.

Das ist Falsch! Doch während der Erklärung viel mir auf, dass es da tatsächlich einiges zu beachten gibt.

Marktkapitalisierung – wieviel ist die Währung wert?

Die Marktkapitalisierung ist der Gesamtwert einer Kryptowährung. Das bedeutet, es ist die Summe des Werts aller Token die eine Währung im Markt hat.

Die Formel dafür ist sehr simpel. Wenn N die Gesamtanzahl der Token einer Kryptowährung sind und w der Wert in Euro, dann ist die Marktkapitalisierung K gleich N * w.

K = N * w

Der Wert eines Tokens wird durch Angebot und Nachfrage definiert, womit es also eine zeitabhängige Funktion ist.

Das spannende bei Bitcoin ist, dass diese Definition gleich an zwei Stellen problematisch ist:

  1. Viele, viele Menschen habe durch ein Missgeschick ihre Keys zu den Wallets verloren. Diese Bitcoins sind unwiederbringlich verloren und können nicht weiterverkauft werden. Sie sind de facto wertlos da sie nicht gehandelt werden können.
  2. Bitcoins haben eine in die Währung eingebackene Maximalanzahl an Bitcoins. Allerdings sind wir dort noch lange nicht angekommen. Alle zehn Minuten wird ein neuer Block generiert und mit diesem Block werden auch neue Bitcoins erzeugt. Damit ändert sich ständig die Anzahl der Bitcoins.

Das bedeutet, unser N ist eigentlich ein zeitabhängiger Funktionswert. Dieser setzt sich aus der Anzahl der handelbaren bzw. verwendbaren Token und der Anzahl derer, deren Zugang verloren ist, zusammen.

N(t) = N_verwendbar(t) + N_verloren(t)

Das heißt: die korrekte Formel wäre:

K(t) = N_verwendbar(t) * w(t)

Spannend ist dieser Punkt, da w(t) zwar einfach zu bestimmen, N(t) aber unmöglich zu ermitteln ist. Es ist möglich die aktuell verfügbare Anzahl auszurechnen. Außerdem definieren deflationäre Währungen wie Bitcoin auch die Obergrenze für verfügbare Token. Allerdings ist es unmöglich zu wissen, wieviele Token verloren sind.

Manchmal wissen Betroffene nicht einmal mehr, dass sie ihre Zugangsdaten verloren haben. Durch den dezentralen Aufbau gibt es keine zentrale Instanz, die durchzählen kann.

Defakto ist der theoretische Wert eines Bitcoins größer als der aktuelle Marktwert, da das Angebot kleiner ist als es die reinen Zahlen von N(t) suggerieren.

Warum wird die Marktkapitalisierung nicht größer mit dem Token-Wert?

Der Preis steigt mit der Nachfrage, wenn dem ein gleichbleibendes bzw. sinkendes Angebot gegenüber steht. Wenn die Nachfrage konstant ist und das Angebot steigt, sinkt dementsprechend der Preis.

Im Falle unserer Marktkapitalisierung bedeutet das, dass der Preis für einen Token verhältnismäßig steigt bzw. sinkt wenn die Nachfrage konstant bleibt aber die Gesamtanzahl der Tokens verändert wird.

Bitcoin? Größerer Token-Wert, größere Marktkapitalisierung!

Im Falle von Bitcoin hat sich die Marktkapitalisierung von knapp 16 Milliarden Dollar auf beinahe 120 Milliarden Dollar hochgeschraubt.

Fakt ist, dass mit jedem neuen Block neue Bitcoin generiert werden. Das sind am Tag immerhin 1.800 BTC! Auf’s Jahr gesehen, sind das 657.000 BTC. Theoretisch, sollte das ständig für Inflation sorgen. Das heißt, bei konstanter Nachfrage würde ein steigendes N(t) automatisch den Wert von w(t) sinken lassen. Das ist Inflation.

Jedoch ist die Nachfrage überproportional gestiegen, so dass w(t) sogar noch gestiegen ist!

Ein Wirken der freien Kräfte!

Unregulierter Wilder Westen. So oder so ähnlich kommt mir die Krypto-Welt im Moment vor. Dementsprechend, kann sich der Kapitalismus in all seinem Schrecken aber auch all seinem Glanz präsentieren.

Nachdem ich nun all das geschrieben habe, ist mir klar geworden, dass es tatsächlich nicht so trivial ist, wie sich der Preis entwickelt. Dafür gibt’s einfach zuviele Faktoren die, die Preiskurve beschreiben.

Zusammengefasst: Neue Währung – Konstante Nachfrage

Wenn eine neue Währung die Bühne betritt, so ist die Nachfrage Euro in diese neue Währung zu tauschen konstant. Dementsprechend ändert der Preis für einen Token nichts an der Marktkapitalisierung.

 

Geschichtenzeit: Die eigene Fehlbarkeit oder warum Sie ein Dummkopf sind

Gestern bin ich über einen Reddit-Post gestolpert, in dem der Autor die Geschichte seines Vermögenverlusts erzählt. Der Mann, dessen Selbstmitleid auch aus einem kurzen Youtube-Video tropft, erzählt über ein paar wenige Absätze hinweg wie er in eine Spirale aus Panik und Verlustangst stolperte und so schlussendlich 18.000 kanadische Dollar verlor. Zuerst waren es normale Kursschwankungen und anschließend Ponzi-Schemes, die dem Mann sein Geld nahmen.

Es ist nicht klar, ob der Autor tatsächlich so aufmerksamkeitsbedürftig ist oder ob es sich um einen Scammer handelt, der das Mitleid anderer ausnützen möchte um Cryptos abzustauben. Allerdings ist die Geschichte so oder so glaubhaft.

Ignoranz und Arroganz kosten Geld

Allerdings, wer lässt sich schon so über‘s Ohr hauen? Das passiert ausschließlich Dummköpfen!

Ich bin nach wie vor dieser Überzeugung. Allerdings habe ich etwas erkannt: Die Idee, dass man immer, überall und in jedem Zustand, völlig klar im Kopf ist, ist illusorisch.

In meinem Fall war diese Arroganz und die Ignoranz dem Verkaufsgeschick von Druckverkäufern gegenüber, 200 USD teuer.

Während eines Karibikurlaubs, bereits angeschickert – wenn nicht ein wenig mehr – schlenderte ich nach dem Abendessen mit meiner Freundin durch die Anlage. Einige Wanderverkäufer stellten gerade ihre Stände auf. Die perfekte Gegelegenheit billigen Tand als Mitbringsel zu kaufen. Da es noch kurz dauerte, konnte man sich in der Zwischenzeit noch einen Cocktail genehmigen.

Als wir dann durch das Spallier der Verkaufsstände flanierten, fiel mir ein Stand mit Holzanhängern auf. Daneben befand sich ein Rumstand.

Mein Interesse fiel sofort auf einen alten Rum und ein paar Holzspielsachen. In dem Moment sprachen dann gleich mehrere Dinge gegen mich:

  • Ich war betrunken.
  • Ich musste von USD auf EUR umrechnen. Zu meinem Pech hatte ich auch noch die Landeswährung einstecken, die ich noch loswerden musste.
  • Ich hatte und habe nicht viel Ahnung von Rum. War aber so eingewickelt von der etwas unterwürfigen Art des Verkäufers, dass ich das nicht zeigen wollte.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich habe ca. 260 USD für zwei Flaschen Rum und ein paar Anhänger mit geschnitzten Holzfiguren ausgegeben. Warenwert ca. 60 USD.

Am nächsten Tag beim Frühstück, als wir zusammenrechneten wieviel denn das nun tatsächlich gekostet hatte, wies mich meine Freundin freundlich aber bestimmt daraufhin, dass der dunkelhäutige Mann mit dem breitem Grinsen, ein sehr gutes Geschäft gemacht hatte.

Das Tier im Manne

Freud hat in Das Unbehagen der Kultur geschrieben, dass der Mensch sein Leben grundsätzlich an zwei Absichten ausrichtet:

  • Lustgewinn
  • Leidvermeidung

Welche dieser Absichten die wichtigere Rolle im eigenen Leben spielt, ist eine Temperamentfrage und nicht generell zu beantworten. Zu wissen welcher dieser Motivationen man eher zugeneigt ist, ist wichtig.

Ein guter Verkäufer versucht dies im Gespräch zu erfragen und daran fest zu machen wie er den Nutzen seiner Produkte präsentiert. In Wien gibt es das Sprichwort „Die Gier ist ein Hund.“, welches meint, man weiß nie, wie es einen packt, man weiß allerdings, dass es jederzeit passieren kann.

Zb. Bitconnect, das als Pyramidensystembetrug verschrien ist, versucht mit astronomisch hohen Renditversprechungen seine Opfer anzulocken. Das ist einfach und effektiv. Da sowohl der Lustsuchende wie auch der Leidvermeider angezogen wird: Hohe Rendite der eigenen Investition hat viel lustvolles. Gleichzeitig, ist die Angst etwas zu verpassen (FOMO) ein scheußliches, panikartiges Gefühl. Um bei der Terminologie von
Freud zu bleiben: Das Es schaltet das Ego aus und übernimmt mit niederen Trieben. Von rationalen Überlegungen ist da weit und breit nichts zu sehen.

Reflexion und Bescheidenheit als Gegenmittel

Ich persönlich, habe erst dieses Jahr begonnen mich mit Kryptowährungen zu beschäftigen. Anfang März fing ich an mich für Ethereum zu interessieren. Mir war sofort klar, dass die technische Grundlage tragfähig ist und das Potential – zumindestens für mich – unabschätzbar groß ist.

Also dachte ich mir: Ich kauf mir einmal 3 Ether. Das sind weniger als 150€, wenn die weg sind ist‘s auch nicht so schlimm.

Als ich dann began mich bei den Portalen anzumelden und zuerst an den unfreundlichsten Mitarbeitern der Welt scheiterte (Thanks, IDNow) um meinen Account zu verifizieren, gingen noch Monate in‘s Land befor ich für den ersten Kauf bereit war. Als ich dann endlich kaufen konnte, war der Kurs bereits bei 150€ pro Ether.

Dieses Gefühl, da jetzt nicht dabei zu sein, war furchtbar. Ich hatte den Impuls sofort all mein Geld hinein zu pumpen. Ich widerstand. Auch wenn ich den Impuls noch hatte als der Kurs bei über 300€ war und in vielen Online-Medien von kurzfristigen Kursen jenseits der 800 USD die Rede war.

Da lernte ich: FOMO und das Bedürfnis bei steigenden Kursen nachzukaufen ist sehr stark in mir.

Als die Kurse dann fielen und auch manche meiner Käufe deutlich ins Minus rutschten (double-digit shrink), lies mich das völlig kalt.

Ich hatte mir von Anfang an die Regel gesetzt stur nach meinem monatlichen Investmentplan zu kaufen und frühestens in fünf Jahren zu verkaufen. Das Geld, welches ich monatlich einsetze ist Spielgeld. Wenn es weg ist, ist es weg. Kryptos sind hochspekulativ und sollten meiner Meinung nach nicht die Basis für die eigene Vermögensanlage sein. Das war mir von Anfang klar.

Da lernte ich: Fallende Kurse sind mir egal. Diese Signale finden keine Leiterbahnen in mir.

Für mich war wichtig, dass ich mir jedes Mal vor einem Kauf über meine aktuelle Gefühlslage klar wurde und überlegte wo diese Emotionen her kamen. Denn gerade als die Kurse hochschossen, waren die Emotionen sehr stark und die Überlegung da nicht nur Spielgeld einzusetzen groß.

Wissen über den eigenen Geist

Jordan B. Peterson, hat in einem Interview gesagt, dass das geordnete, zivilsierte Verhalten von Menschen nicht der Naturzustand sei. Es ist viel mehr ein Wunder, dass es möglich war, so viele Faktoren in einen optimalen Zustand zu bringen, damit alltägliche Probleme mit klarem Kopf anstatt des Faustkeils gelöst werden. Das Trivialbeispiel ist, dass ein fallender Blutzuckerspiegel das Aggressionspotential anheben kann. Umgangsprachlich auch hangry genannt.

Umso mehr man über solche psychosomatischen aber auch psychischen Zusammenhänge weiß, umso besser kann man sich gegen irrationale Impulshandlungen schützen.

Einen sehr interessanten Überblick über solche psychologischen Mechanismen, gerade puncto Investing, bietet der Finanzwesir rockt Podcast mit Folge 41.

Sehr empfehlen kann ich – auch unabhängig von Investing – die Folge 98 des Jocko Podcasts. Ein Podcast über Führung und Disziplin eines ehemaligen Navy-Seal-Kommandanten. In Folge 98 hat Jocko Jordan B. Peterson zu Gast und spricht mit ihm über Disziplin und welche Lebensweise den eigenen Geist stark und resilient macht

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, wie Jocko Willink in seinem Buch Extreme Ownership(Werbelink)seinen Problemlösungsansatz erklärt. Der Mann erklärt darin den wortwörtlich kampferprobten, Ansatz sich aus seinem Körper heraus zu denken um die Situation aus der Vogelperspektive zu beurteilen. Klingt leichter aber auch esoterischer als es in der Praxis ist.

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Der Populärphilosoph Richard David Precht lieferte mit seinem Buch Wer bin ich – und wenn ja wie viele?(Werbelink) Ein tolles Einstiegsbuch mit vielen Literaturverweisen auf die verschiedenen Quellen, wenn es um die Charakterbildung und Psyche geht. Spannend ist dabei das Konzept, dass man verschiedene Interessen im eigenen Charakter vereint die auch gegeneinander kämpfen und in verschiedene Richtungen streben. Es gibt mit Richard David Precht auch interessante Interviews auf Youtube zu sehen wie zB. mit das mit Peter Voß. Generell ist es mir eine Freude Precht eine Freude zuzuhören, da der Mann eine sehr angenehme aber auch klare Art hat sich zu artikulieren.

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Ich stöberte schon als 16-Jähriger gerne in Psychologie- und Philosophiebüchern. Das bildet für mich die Grundlage mit möglichst gut auf Herausforderungen vorzubereiten. Funktioniert häufig aber manchmal auch nicht – wie zB. im Karibikurlaub.

Seien Sie sich bewusst: Die richtigen inneren und äußeren Zustände vorausgesetzt, wird der Moment kommen, in dem Sie wie ein Dummkopf handeln. Sie haben es in der Hand, die Möglichkeiten zum Dummkopf zu werden so unwahrscheinlich wie möglich zu machen.

Segwit2x – Keine Zeugen zurück lassen

Es gibt gerade eine hitzig geführte Debatte ob Segwit2x verwendet werden soll oder nicht. Es tun sich viele Fragen auf: Ist es technisch eine gute Lösung? Wie würde es sich wirtschaftlich auswirken? Spricht das gegen oder für die Bitcoin Philosophie?

Um das zu verstehen, muss allerdings erst verstanden werden was den Segwit Version 1 überhaupt bedeutet für Bitcoin.

Früher war alles … fetter

Transaktionen in Bitcoin sind eine interessante Datenstruktur. Sie bestehen aus einer Liste von Quellen und einer Liste von Zielen für den Bitcoin-Fluss. Doch diese Quellenangaben und Zielangaben enthalten nicht nur den Betrag der transferiert werden soll.

Eine Zielangabe in der Transaktion, in Bitcoin-Terminologie VOUTs, beinhaltet neben der zu transferierenden Menge, auch ein Rätsel. Jeder der dieses Rätsel lösen kann darf die Bitcoins ausgeben. Am einfachsten stellt man sich das als Zahlenschloss an einer Schatztruhe vor. Es ist dem Schloss völlig egal wer die Zahlenkombination eingibt, sobald sie richtig eingegeben wird, geht das Schloss auf.

Die Quellangaben, in Bitcoin-Terminologie VINs, beinhalten des Rätsels Lösung. Durch die Lösung wird jedem der die Transaktion validiert bewiesen, dass der Transaktionsender tatsächlich Zugriff auf die noch nicht ausgegebenden Schätze hinter dem Zahlenschloss hat. Diese noch nicht ausgegebenden Schätze nennt man in Bitcoin-Terminologie Unspend Transaction Output.

Die Lösung des Rätsels, also der Beweis, dass man über die Bitcoin verfügen darf, wird auch „Zeuge“ genannt. Im übertragenen Sinn handelt es sich dabei um Beweise die bezeugen dass man das Geld ausgeben darf.

Technisch betrachtet, sind Zeugen Programmparameter für Smart Contracts die auf der Bitcoin-Blockchain ausgeführt werden. Der Smart Contract wird in der Programmiersprache Bitcoin Script geschrieben.

Die Parameter sind lange Ketten von Zeichen die häufig von geheimen Schlüsseln (Private Keys) generiert werden. Die Ketten sind lang und verbrauchen daher viele Bytes. Diese Bytes tun schnell weh, wenn nur eine Blockgröße von einem Megabyte zur Verfügung steht.

Segwit – Oldies und Jugend vereint

Segwit steht für „Segrageted Witness“ und meint, dass die Zeugen von den Transaktionen abgespalten werden. Die Zeugen zu einem VIN können über zusätzliche Nachrichten abgerufen werden, verbrauchen allerdings keinen Platz mehr in der Transaktion bzw. im Block selbst.

In den letzten Wochen liest man häufig von einem Hardfork und welche ernsten Folgen ein solcher haben könnte. Im Falle von Segwit handelt es sich nicht um einen Fork, da die Änderung abwärtskompatibel ist.

Für Knoten im Bitcoin-Netzwerk die Segwit nicht implementieren, sehen Segwit-Transaktionen merkwürdig aber trotzdem gültig aus. Die alte Versionen der Knoten erkennen den Verweis auf den außerhalb liegenden Zeugen nicht. Sie sehen stattdessen nur den Hinweis das jeder auf den Schatz zugreifen kann, wenn er möchte.

Durch dieses Vorgehen wird Platz gespart und zwar soviel, dass nun dank Segwit doppelt so viele Transaktionen pro Block möglich sind wie ohne.

Segwit-Transaktionen sind deutlich leicht gewichtiger als die regulären Transaktionen. Erfordern aber zusätzliche Kommunikation mit dem Netzwerk wenn eine Transaktion validiert werden soll. Durch diesen Mehraufwand wird mehr Platz im Block geschaffen.

Segwit2x – Ohne Hardfork geht‘s nicht

Segwit2x ändert das Protokoll und führt dazu, dass alte Knoten nicht mehr mitreden können. Für diese wären neue Segwit2x Transaktionen aufgeblasener Unsinn den man am besten verwirft. Wie der Name andeutet, handelt es sich bei der Änderung um die Erhöhung auf 2MB pro Block. Das 2x steht für die Verdopplung der aktuellen Blockgröße.

Wann es dann wirklich los geht, hängt auch von den Signalen

Na und, ist das nicht viel Trubel um Nichts?

Ursprünglich wurde das ganze im März 2017 in der bitcoin-dev Mailing List von Sergio Demian Lerner vorgeschlagen. Der Vorschlag basiert auf einem Bitcoin Improvement Proposal und kann in BIP 102 nachgelesen werden. Wie auch in der Mailing-List nachzulesen ist, gab es von Anfang an in der Core-Developer-Community Widerstand gegen einen Hardfork.

Durch diese Uneinigkeit, entwickelte eine Gruppe der Core-Developer ohne die 2MB Blockgröße weiter und eine Gruppe baute Software die, die 2 MB Blockgröße enthält. Die Basis für diesen Software-Fork ist Version 0.14 des Bitcoin Core Projekts.

Seit Anfang gibt es rund um Segwit2x gibt es viele Diskussionen, die teilweise auch sehr hitzig geführt werden. Die Kritik an Segwit2x reicht vom Aufzeigen technischer Defizite hin zu Ärger über die politische Lobby hinter Segwit2x, aber auch über den Verrat an den philosophischen Grundlagen einer dezentralen Kryptowährung.

Bereits die erste Antwort auf die initiale Ankündigung in der Mailing-List war eine entsprechende Kritik. Ernst sind vor allem die Sicherheitsbedenken wie zB. die schwache Replay-Protection oder die Gefahr von DOS-Attacken.

Was heißt das für uns Bitcoin-Halter?

Defakto ist gerade ein politischer Konflikt zwischen mehreren, sehr einflussreichen Parteien ausgebrochen. Egal wer gewinnt, es wird hier auch große Verlierer geben. Ich persönlich frage mich, ob die Querelen nicht insgesamt Bitcoin schaden könnten.

Der Kryptomarkt ist im Vergleich zum normalen Finanzmarkt klein und Bitcoin, als älteste der Top 10 Währungen, gibt auch vor wie sich der restliche Markt entwickelt. Ich vermute kurzfristig wird es rund gehen …

Explodierende Kurse bei NEO – Doch was ist das?

Bitcoin geht rauf, Ethereum geht rauf und der Wert von NEO ist explodiert. Doch was ist NEO und fußt dessen Konzept auf einem guten, technischen Fundament. In einem Wort: Ja.

NEOs Komponenten

Die NEO-Blockchain basiert auf fünf Komponenten die eine Vielzahl an Anwendungsfällen erschlagen.

NEO ist eine Proof of Stake getriebene Plattform. Das erlaubt eine sehr schnelle Blockerzeugung. Die Smart-Contract-Definition beschreibt nicht nur Contracts die bei Erhalt von Devisen eine Aktion ausführen, sondern auch Contracts die Transaktionen authorisieren.

Es ist von Haus aus ein verteilter Speicher (Shared Memory) eingebacken. Die verwendete Kryptographie basiert nicht auf Zahlentheorie wie die RSA basierte Kryptographie von zB. Bitcoin, sondern auf Gitter. Gitter wiederum sind spezielle algebraische Strukturen die in der Gruppentheorie zuhause sind. Das soll die kryptographischen Verfahren gegen Quantencomputer absichern.

Alles in allem handelt es sich dabei um eine sehr spannende, technische Plattform.

NEOs für Anleger

Das spannende an NEO ist, dass es aus zwei Währungen besteht. Den NEOs, die es zu kaufen gibt, und NEO Gas (kurz GAS). Wer sich hier an die Begrifflichkeiten von Ethereum erinnert fühlt, fühlt richtig. Gas ist notwendig um Smart Contracts bzw. Transaktionen auszuführen.

Im Gegensatz zu Ethereum gibt es eine fest definierte Obergrenze für die Anzahl der NEO und GAS Tokens. Beide sind mit 100 Millionen Tokens begrenzt.

Erhältlich, gegen Bitcoin, sind im Moment nur NEOs. Neos sind unteilbar und damit immer nur einzeln erhältlich. Ganz im Gegensatz zu Gas. Gas ist durch 100 Millionen teilbar. Doch wo kommen Gas her?

Hier passiert die Magie! Ähnlich wie Bitcoin gibt es eine Möglichkeit Tokens zu erzeugen. Doch anstatt mit Arbeit im Proof of Work-Algorithmus, leiht man den Block erzeugenden Knoten Glaubwürdigkeit mit der eigenen Anzahl an NEOs. Im Austausch dafür, erhält man Gas. Wieviele, wird durch einen Verfallsalgorithmus definiert.

Kurz gesagt: Es reicht ein Wallet mit NEOs zu besitzen um Gas zu bekommen!

Blase, Hype oder tolle Plattform?

Diese Frage kann man sich genauso über Ethereum stellen und dementsprechend stelle ich hier einen kleinen Vergleich an.

Ethereum NEO
Anwendungsfälle in der Praxis ICOs, Spekulation Spekulationen
Theoretische Anwendungsfälle ICOs, automatisierte Vertragsabwicklung, Spekulation, Zahlungsabwicklung ICOs, automatisierte Vertragsabwicklung, Spekulation, Zahlungsabwicklung, automatisierte Ansteuerung anderer Blockchains durch Smart Contracts
Anzahl der Tokens begrenzt Nicht begrenzt Begrenzt
Mining wirtschaftlich Kostenrechnung notwendig Ja, setzt nur Besitz von NEOs voraus
Anwenderfreundlich Nein. (Wallet lädt komplete Blockchain herunter (viele GB)) N/A
Programmiererfreundlich Ja Ja

Fazit als Nicht-Investor

Ich werde mir auch noch NEOs holen. Bin zwar spät drann, aber in diesem Fall muss sich sagen: Besser spät als nie.

Blockchain-Technologie – gratis und nicht umsonst

Die amerikanischen Universitäten sind den europäischen nicht nur im Angebot von Online-Kursen voraus, sondern auch bei der Themenauswahl. Gute Vortragende begleiten mich von Zeit zu Zeit auf meinem Weg in‘s Büro.

Im Cointelegraph-Artikel: Professor releases free cryptocurrency lecture bin ich auf den Stanford-Kurs CS 251 zum Thema Bitcoin und Cryptocurrencies gestoßen.

Bei diesem Kurs ist es nicht mit Zuhören bzw. Video-Ansehen getan. Das ganze ist stark auf technische Inhalte bezogen. Es geht weder um die Kryptographie noch um die wirtschaftlichen Aspekte von Krypto-Währungen.

Der Kurs bietet leider keine Mitschnitte der Vorträge an und verlässt sich darauf, dass sich Interessierte durch die Sekundärquellen und das Textbook Bitcoin and Cryptocurrency Technologies wühlen.

Von einem Princeton-Vortragenden gibt es auch einen Kurs mit Videomitschnitten: BTC-Tech: Bitcoin and Cryptocurrency Technologies. Die Videomitschnitte sind auf Youtube zu finden:

Alles in allem, sind das tolle Quellen für einen technischen Überblick ohne Mathematik studiert haben zu müssen. Allerdings sollte man programmieren können.

Was ist ein Hardfork?

Bitcoin, dank Segwit, steht kurz vor einem Hardfork. Ein Hardfork wird durch zwei oder mehrere Gruppen ausgelöst, die unterschiedliche und inkompatible Varianten der Blockchain betreiben wollen.

Wo das Unheil seinen Lauf nimmt

Vor einem Hardfork sieht das Blockchain-Netwerk wie ein reguläres Peer-2-Peer-Netzwerk aus. Es gibt viele Netzteilnehmer die untereinander verbunden sind und Daten austauschen.

 

In der Computerei ist ein „Netzwerkprotokoll“, die Definition der Regeln und Formate für die Kommunikation zwischen zwei Programmen. Wenn es zum Hardfork kommt, möchten ein Teil dieser Gruppe ein neues Protokoll verwenden, welches die anderen nicht verstehen.

Zu Beginn sind die Teilnehmer, die das neue Protokoll verwenden noch miteinander verbunden. Doch Orange und Blau verstehen sich einfach nicht mehr. Das führt dazu, dass sie nebeneinander existieren und die Blockchain in zwei verschiedenen Varianten betreiben.

Was bedeutet das für meine Daten?

Da es nun zwei verschiedene Blockchains gibt, gibt es dann defakto zwei verschiedene Währungen. Hier ist es allerdings wichtig zu unterscheiden, ob Sie einen Online-Ledger wie Bitpanda verwenden, oder ob Sie die Daten in einem lokalen Wallet speichern.

Persönliche Wallets – double the blockchain, double the fun

Wenn Sie Ihre Daten in einem persönlichen Wallet aufbewahren, bedeutet das, dass die Information über den Besitz ihrer Assets nun in zwei verschiedenen Blockchains gespeichert wird.

Glückwunsch: Ihnen gehören nun sowohl Tokens (wie zB. Bitcoins) in der einen sowie in der neuen Blockchain. Sie können sich zurücklehnen und den Markt beobachten um zu sehen welche Variante der Blockchain weiterhin gehandelt wird.

Wenn wir zB. vergangene Hardforks wie den der Ethereum-Blockchain in Classic und das reguläre Ethereum betrachten, ist leicht zu sehen, dass Classic nach wie vor existiert aber dessen Ethers nur einen Bruchteil von Ethereum Ethers wert sind.

Online-Wallets entscheiden sich

Online-Wallets haben bereits Emails rausgeschickt und kommunizieren ganz klar: Hier ist das nicht der Fall!

Dort gehören Ihnen nach dem Hardfork nur Bitcoins in der Segwit-Variante.

Was solls?

Das ist kein Problem. Es wird sich eine Währung durchsetzen und der Handel mit der anderen wird schwer bis unmöglich werden. Das heißt wenn Sie eine überschaubare Menge an Token besitzen, verlieren sie maximal ein paar wenige Euro. Wenn die Menge größer ist, lohnt es sich vielleicht nach dem ersten Schock des Hardforks die Assets zu verkaufen.

Abgesehen davon, dass ich davon abrate größere Mengen Krypto-Währungs-Token in Online-Services zu belassen, ist das der einzige Nachteil. Der beste Weg ist es, seine Daten auf mehreren Speichermedien verschlüsselt aufzubewahren.

Der leichteste Weg dorthin sind Krypto-USB-Sticks die extra für diesen Zweck entwickelt wurden. Dafür gibt es mehrere Anbieter wie zB. Trezor oder den Ledger Nano S

Unruhige Zeiten für Bitcoin (Was ist Segwit?)

Die letzten Tage und Wochen füllten die Websites mit oberflächlichen Analysen zum anstehenden Update Segwit des Bitcoin-Protokols. Das große Problem dabei ist, dass sich die Bitcoin-Community nicht darüber einig ist, ob dies der richtige Weg nach vorne ist.

Selbst Urgesteine in der Szene, wie Nick Szabo, haben sich kritisch über das Segwit-Update geäußert. Doch welches Problem soll es überhaupt lösen?

Viele Transaktionen sind der Blockchain ihr Tod

Bitcoin schreibt eine Blockgröße von 1MB vor. Die Blöcke in einer Blockchain sind notwendig, da alle Blockchain-Teilnehmer ständig aushandeln müssen welche Transaktionen gültig sind und welche nicht. Durch die Blöcke kann das für mehrere Transaktionen auf einmal geschehen anstatt auf Transaktionsbasis.

Das erleichtert den gesamten Ablauf der Konsensfindung und mildert viele Probleme puncto Performance und Geschwindigkeit im Blockchain-Netzwerk.

(Falls Sie sich fragen, was den ein Miner und was ein Block ist, können Sie das hier nachlesen: Was ist eine Blockchain?)

Im Falle von Bitcoin sind folgende Dinge passiert:

  • Bitcoin-Mining wurde immer aufwendiger. Es ist nur noch mit spezieller Hardware und sg. Mining-Pools möglich. Es ist nicht möglich, dass jemand von Zuhause aus mit seinem Heimcomputer und einer starken Graphikkarte oder CPU einen erfolgreichen Miner betreibt.
  • Das Netzwerk ist stetig gewachsen. Dadurch gibt es mittlerweile sehr viele Transaktionen.

Dadurch, dass es jetzt ein Überangebot an Transaktionen und ein Unterangebot an Minern gibt, verlangen die Miner höhere Gebühren um Transaktionen in ihre Blockkandidaten aufzunehmen.

Da sich die Miner die Transaktionen aussuchen können, bedeutet das, dass auch Transaktionen liegen bleiben oder erst sehr verzögert in einem Block landen.

Das hat zur Folge, dass eine Bitcoin-Transaktion entweder teuer, langsam oder im schlimmsten Fall unzustellbar ist.

Segwit to the rescue

Im Moment ist ein Block ca. 1MB groß. Die älteren Semester unter den Lesern erinnern sich vermutlich noch an die Diskette. Ein Speichermedium aus den prähistorischen Zeiten der Computerei. Die Diskette konnte theoretisch 1,4MB speichern.#

1MB ist sehr klein. Die aller erste Apple Watch hatte 8.000-mal mehr Speicherplatz und 8GB waren auch 2015 nicht viel Speicherplatz.

Das Protokollupdate Segwit, erhöht diese Begrenzung auf maximal 4MB.

Das bedeutet, in einem Block landen mehr Transaktionen und damit wird der Durchsatz theoretisch bis zu viermal schneller. Die Idee dabei ist, dass diese Änderung relativ klein ist und etwas Zeit erkauft.

Man kann Kot nicht polieren …

Das Problem dieser Herangehensweise ist, dass das grundlegende Problem nicht gelöst ist. Die Prognosen wann Bitcoin wieder an derselben Stelle steht, gehen auseinander. Ich kann allerdings versprechen, dass Bitcoin wieder an derselben Stelle stehen wird.

Die Alternative dazu ist, dass das gesamte System geändert wird um viele der Transaktionen in so genannten Nebenkanäle auszulagern. Wenn sich zwei Parteien in diesen Nebenkanälen einig geworden sind, wird die Einigung wieder auf der Hauptblockchain öffentlich gemacht.

Das hätte gleich mehrere Vorteile:

  • Die Kommunikation im Nebenkanal ist schneller und günstiger als Kommunikation über die Blockchain.
  • Viele Daten die aktuell die Blockchain verstopfen, würden in die Nebenkanäle abwandern und damit die Blockchain schneller und schlanker machen.

Der große Nachteil den diese Herangehensweise hätte, wäre ein Hard-Fork. (Fork wie Weggabelung)

Ein Hard-Fork ist eine erzwungene Änderung des Protokolls hinter Bitcoin. Das bedeutet alte Bitcoin-Client-Programme würden nicht mehr mit der neuen Blockchain funktionieren. Alle Beteiligten müssten neue Versionen der Programme veröffentlichen.

Da das völlig freiwillig ist, wird es Betroffene geben, die lieber auf der alten Version von Bitcoin sitzen bleiben. Damit gäbe es zwei verschiedene Blockchains auf Basis von Bitcoin die nicht mehr miteinander kompatibel sind.

Die Bitcoin-Fork-Apokalypse

Im Moment stehen gleich mehrere Organisationen in den Startlöchern die den Weg mit Segwit nicht mitgehen möchten. Kurz gesagt gibt es gleich mehrere Wege in die sich das aktuelle Bitcoin aufgabeln könnte:

  • Pragmatiker, die eine schnelle Linderung der aktuellen Schmerzen in der Bitcoin-Blockchain setzen und Segwit verwenden werden.
  • Konservative, die weiterhin die Bitcoin-Version ohne Segwit verwenden wollen.
  • Progressive, die weder die alte Version noch die unwesentlich veränderte Version mit Segwit verwenden wollen.

Gelassenheit als Ausweg

Ich persönlich bin von Bitcoin überzeugt. Ich werde mit dem Strom schwimmen und mich der Mehrheit anschließen und auf diese Version sitzen. So wie es im Moment aussieht, werde ich Segwit unterstützen.

Allerdings werde ich auch weiterhin andere Währungen halten. Wichtig ist, dass man sich an seinen Vorsatz hält die Währung längerfristig zu halten. Z.B. als alle Währungen die ich habe in den letzten Wochen abgestürzt sind, war der Impuls da einen Panikverkauf zu machen.

Allerdings ist eine meiner selbstgesetzten Regeln: Die Rechnung kommt am Schluss – also 2022. Vorher wird nichts panikartig verkauft.