Initial Coin Offerings – So ein Unsinn!

Initial Coin Offerings (manchmal auch Initial Public Coin Offerings) sind ein Werkzeug der Unternehmensfinanzierung. Anstatt Unternehmensanteile oder zumindestens ein Vorrecht bei der Auslieferung der ersten Charge, erhält man einen  oder mehrere Token einer dafür erfunden Kryptowährung.

Die Tokens, wie zB. BTC und Ether, können dann gehandelt werden und steigen oder fallen entsprechend des Angebots und der Nachfrage.

Entscheidend für den Erfolg solcher ICOs ist in erster Linie das Marketing und in zweiter Linie wie gut die Gier der Menschen instrumentalisiert werden kann. An letzter Stelle steht wie überzeugend das Unternehmen und deren Technolgie ist.

ICO und der fehlende Nutzen

Bevor ich eine Kryptowährung kaufe, lese ich im Normalfall das Whitepaper. Ich stelle mir dann drei Fragen:

  1. Verstehe ich das Problem? (Es ist wirklich ein nachvollziehbarer Schmerz? Warum schadet es? Was bringt mich dazu, eine Lösung zu suchen?)
  2. Verstehe ich den Lösungsansatz? (Wie löst der Krypto-Token das Problem? Wo liegt der Nutzen in der Blockchain-Lösung)
  3. Ist die technische Lösung tragfähig? (Wer implementiert die Blockchain auf welcher Basis?)

Leider ist es selten, dass ich bis zur dritten Frage komme. Häufig denke ich mir: Ich verstehe was die Gründer meinen, allerdings halte ich das nicht für ein lösenswertes Problem.

Wenn man ICO-Listen wie zB. die ICO-Liste von Smith & Crown liest, stößt man schnell auf völlig inhaltsleere Angebote. Ich habe heute genannte Liste kurz überflogen. Mein Favorit der Negativbeispiele ist bis jetzt VIBEhub. Die Gründer versuchen Virtual Reality mit Blockhain zu verbinden.

Das zu lösende Problem beschränkt sich auf den „Schmerz“ Live-Performances oder Webinar-Leistungen noch nicht über eine Blockchain einkaufen zu können.

Die Lösung liegt in einer Smart Contract-Plattform auf Ethereum-Basis und einem speziellen Wallet, dass die Darstellung des Streaming-Inhalts übernimmt.

Die technische Plattform ist Ethereum als Unterbau. Das soll es ermöglichen „automatisch“ den Geldfluss rückgängig zu machen wenn Leistungen entweder nicht erbracht wurden oder nicht den Qualitätsvorstellungen entsprochen hat.

Dass das manuelle Qualitätskontrolle voraussetzt wird nicht erwähnt. Alles in allem ein Produkt was mit „Virtual Reality“ und „Blockchain“ zwei Buzzword verwendet. Alles in allem, bin ich nicht überzeugt.

Viel Geld für wenig Nutzen

Ein ICO wäre kein ICO wenn nicht ein völlig unbewiesenes Konzept auf Basis eines windigen Whitepapers gleich Millionen an Euro einsammeln möchte.

Auch der Wert des eingekauften Tokens steht häufig nicht fest. Der Wert ist davon abhängig wieviele Leute tatsächlich den Token kaufen. Kaufen weniger Leute Tokens, steigt der relative Anteil des Tokens, kaufen mehr Käufer, fällt er. Umso höher der eigene Einkauf und umso geringer der generelle Verkauf, umso mehr ist der eigene Token wert.

Also umgekehrt zum eigentlichen Marktverhalten! Steigt die Nachfrage nach Token, sollte auch der Preis steigen. Doch tatsächlich steigt nur der Profit für die Token ausgebende Seite.

So auch bei VibeHub: Minimalinvestment sind 25 ETH. Das entspricht aktuell einem Wert von ca. 6500€. Das Investment hat eine Obergrenze von 25 Millionen USD. Lt. Whitepaper gibt es noch nichts, außer die Kryptowährung auf Ethereum-Basis.

Soll ich nicht doch kaufen?

Ich persönlich halte ICOs für ein reines Finanzierungswerkzeug bei dem die fehlende Regulierung der Kryptowährungen ausgenutzt werden soll. Allerdings streite ich nicht ab, das bei einer geschickten Auswahl der ICOs enorme Profite möglich sind.

Wer spekulieren möchte, kann das natürlich tun: Aber ich werde mir weiterhin meine drei Fragen stellen, bevor ich auf diese Idee komme.

Update: Eine hervorragende und umfassende Beschreibung von ICOs findet man auf coin-blog.de im Artikel Grundlagen zu ICO: Initial Coin Offering investieren ja oder nein?.

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